Bubi Tisch
***pBIZm(e) - Die in die Jahre gekommene Kostenstelle für buchbinderische Tischarbeit erhält eine neue Dimension. Individualisierung und Wertigkeit des Printproduktes sind der Kern. Die Marktbedingungen sind für Weiterverarbeiter allemal besser als für Drucker. Während die durch desaströse Investitions- und Preispolitik kontinuierlich an Substanz verlieren, hält sich die Weiterverarbeitung noch wacker und stabil. 1985 lag auf dem deutschen Markt der 1000er-Preis am Sammelhefter mit 3 Stationen bei rd. 21 DM, heute liegt er zwischen 11 und 15 €. Add-ons wie Warenproben, beigeklebte Karten, DVD’s, Beihefter und Gimmiks stellen die „Buchbinder” vor wirtschaftliche Herausforderungen. Erst beim Einrichten zeigt sich, ob „das Zeug läuft”. Häufig bremsen Add-ons die Stundenleistung am Sammelhefter auf 3.000 und weniger herunter. Andere lassen sich nur in Handarbeit konfektionieren - Bubi Tisch. Aufklärungsarbeit an der Kundenbasis ist eine wünschenswerte Offensive, um Weiterverarbeiter in ihrer Glaubwürdigkeit zu stützen. Völlig unterschätzte Chancen sehe ich im Logisitkleistungen am Ende der Prozesskette mit einem Strategiepotenzial, welches Drucker so nie hatten.
Kritisch wird es für „Buchbinder”, die eine wechselnde Auftragsstruktur mit Schnellläufern bedienen müssen. Verfahrensvergleiche bei Sammelheftern zeigen, dass bereits 1000 Exemplare weniger pro Stunde ausreichen, um in den nächst höheren 1000er-Preis zurückzufallen. Fehlinvestition! Jede engstirnige Maschinenverliebtheit wird durch betriebswirtschaftliche Fakten ad absurdum geführt.
Zentralthema ist die Wertigkeit des Printproduktes. Weil heute alles billig sein muss, kommen gerade Massendrucksachen genau so daher. Fehlgeleitet durch die Strategie der Druckmaschinenbauer, haben die Maschinenbauer der Weiterverarbeitung gleichgezogen. Speed unlimited verleitet zu Fehlinvestitionen.
Individualisierung und Wertigkeit des Printproduktes stehen im Zentrum des Geschäftes wobei die Nachfrage primär über die Werbeindustrie und Marketiers ausgelöst wird. Es wäre ein großer Vorteil, wenn sie mehr über die technischen Finessen in Print Bescheid wüssten. Die Internet-Vermarktung verspricht da schnellere Renditen. Sitzen hier die Weichensteller, die Print nicht mehr ausreichend präferieren können? Warum ist das so? Veredelung und Haptik von Print sind nach wie vor die Eyecatcher. Voluminöse Warenkataloge werden verstärkt in Hardcover gebunden, weil sie dadurch im Regal besser griffbereit sind. Wenn einem der Kopf nur nach Wegwerfprodukt steht, kommt man nicht auf nachhaltige Ideen. Das Dilemma der Brache ist hausgemacht, weil sie sich als Impulsgeber nicht in Szene setzt, dafür aber in einer innovativen Nullnummer als passiver Befehlsempfänger verharrt. Diese zementierte Maschinen-Denke der Branche vermag keinen Hund mehr hinter’m Ofen hervorzulocken. Sie giert nur noch nach dem Füllen der Kapazitäten, während ihre Kundenbasis nach Lösungen zu ideenreicher Kundenansprache mit hoher Attraktivität sucht. Es ist wie das Aufeinandertreffen von Blinden und Tauben - sie werden sich ohne Vermittler nicht verstehen. Unaufhaltsam weichen indes Agenturen wie Marketiers auf das WWW aus, wo zumindest Individualisierung state-of-the-art ist. Veredelung und Haptik ist da aber nicht zu haben. Das kann zu Problemen in der Produktvermarktung führen und offenbart so die Unschlagbarkeit von Print mit all seinen sinnesvermittelnden Stärken. ***













